Montag, 30. April 2012
Feelin' good.
An manchen Tagen wacht man auf und fühlt sich einfach gut. Nicht, weil man unbedingt ein Kilo weniger auf die Waage bringt oder sich auf ein besonderes Vergnügen freut - nein, man könnte es eine innere Zufriedenheit nennen. Einfach da sein, den Wind in Haare spüren, die Sonnenstrahlen auf der Haut - ein Gefühl der Vollkommenheit. Eine Zufriedenheit, tief in einem, wie ein helles Licht aus einem heraus scheinend. Ein Grinsen ständig auf der Backe, vor lauter Freude manchmal die Muskeln anpannend.
Jeden Tag, diese Freude, innere Zufriedenheit, dieses Glück zu spüren, ein wahres Traumleben. Ohne Sorgen durch das Leben gehen, ohne Angst, Furcht, Wut, Zorn.
Wer will so ein Leben? Bitte jetzt die Hände strecken! ... Ah, jaa, genau das dachte ich mir, niemand meldet sich. Sind sie sich etwa unsicher? Nun kommen Sie schon, aus dem Bauch heraus, trauen sie sich!
Hm, Sie sind schlauer, als ich erwartet hatte. Ja, natürlich, jeden Tag immer glücklich, selbst das wird langweilig. So wie das Licht den Schatten, das Wasser das Land und der Mann die Frau braucht, so hat Glück auch ein Gegenstück, dass es ergänzt und vollkommen macht - Unglück. Denn stellen Sie sich vor, Sie schreiben in einem Test eine gute Note, obwohl Sie kein Stück darauf gelernt haben. Ja, eine spannende Sache, besonders wenn es immer und immer wieder passiert!
Oder noch drastischer: Wenn sie immer glücklich sind, was bringt ihnen dann Liebe? Sie macht einen glücklich. Wow. Was ganz neues. Wofür?
Also, ich hoffe sie stimmen mir zu: Glück ist eine feine Sache, aber nicht im Überfluss. Man muss es genießen, wie ein Glaß Wein am Vorabend, oder ein Lächeln auf dem Gesicht des Geliebten.
Das Leben kann nicht immer nur schwarz oder weiß sein, man braucht etwas von beidem, einen Kontrast, um ein Gemälde sichtbar zu machen.
Und dazu braucht es Unglück. Um das Glück spannend zu machen. Selbst Unglück, etwas so verhasstes und bedauertes, hat eine Funktion. Kaum zu glauben, was passieren würde, wenn wir es nicht hätten. Und auf einmal wird alles klar: wir brauchen Unglück, so wie wir Glück brauchen.

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